Fotos: Klaus-Peter Schillig/ Haller Zeitung
Filigrane Skulpturen mit der Kettensäge
Die Alte Lederfabrik in Halle wächst weiter als kreativer Treffpunkt – und hat mit Klaus Seliger einen spannenden Neuzugang bekommen. Der 63-jährige Bildhauer erschafft aus Holz filigrane Kunstwerke, die oft mit Humor, Abstraktion und überraschender Leichtigkeit daherkommen. Seine bevorzugten Werkzeuge: verschiedene Kettensägen.
Kunstwerke mit Witz und Präzision
Schon beim ersten Betreten seines Ateliers fällt eine seiner Skulpturen ins Auge: Zwei Hasen mit überlangen Beinen sitzen auf einem Stuhl, während eine Eule von oben zuschaut. Ganze 1,80 Meter hoch, aus einem Stück Holz gearbeitet – und dennoch fein und detailreich. Dass eine Kettensäge ein solches Werk hervorbringen kann, erstaunt viele Besucher.
Ein kreativer Lebensweg
Künstler wurde Seliger nicht auf direktem Weg. Zunächst lernte er Schauwerbegestalter, studierte anschließend Visuelle Kommunikation und legte 1992 die Gesellenprüfung als Tischler ab. Mit Holz verband ihn seitdem eine enge Beziehung.
2002 begann er ein Werkstudium in Münster mit Schwerpunkt Gestalter im Handwerk. Dort entstanden die ersten Möbel-Skulpturen – Stühle und Sitzmöbel, die bewusst noch die Spuren der Kettensäge trugen und wie skizzenhafte Experimente wirkten.
Lieblingsmotive: Raben, Eulen, Hasen
Seit mehr als zehn Jahren widmet sich Seliger stärker den figürlichen Objekten. Besonders Tiere sind seine Motive – Raben, Eulen und Hasen tauchen immer wieder auf. Dabei arbeitet er nach Fotos, abstrahiert Formen und überzeichnet Details, um seinen Werken einen eigenen Charakter zu verleihen.
Auch Menschen rücken zunehmend in den Fokus seiner Arbeit – bislang noch klein und abstrakt, aber vielleicht bald im größeren Format.
Holz, Feuer und Farbe
Anfangs ließ Seliger seine Skulpturen in der natürlichen Holzfarbe. Doch mit der Zeit kamen Feuer und Farbe hinzu: geflammte Rabenvögel mit kontrastreichen Oberflächen, weiße Hasen, die fast transparent wirken, und farbige Akzente in Blau oder Grün.
Angekommen in Halle
Seinen Weg in die Alte Lederfabrik fand Seliger über frühere Ausstellungen. Besonders das große Atelier der Steinbildhauerin Silvia Middel hatte es ihm angetan. Als sie beschloss, ihr Atelier zu teilen, konnte Seliger den vorderen Teil mieten – und arbeitet nun direkt hinter den großen Toren neben der Städtischen Galerie.
Mitgebracht hat er auch Ideen aus seiner Zeit in Warendorf: kleine Konzerte, Lesungen oder Performances möchte er künftig auch in Halle etablieren. Damit fügt er sich perfekt in die Pläne von Sandra Fehrenkötter, die die Lederfabrik noch stärker als lebendigen Kulturort etablieren möchte.
Der neu gestaltete, autofreie Innenhof lädt mit Sitzmöbeln zum Verweilen ein – bei Kaffee, Tee und natürlich im Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern vor Ort.
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